In der zentral-chinesischen Metropole Chengdu haben sich die Bewohner einen Teil des Peoples Parks zu eigen gemacht und eine Partnervermittlungsstelle unter freiem Himmel aufgebaut. Singles, die auf der Suche nach einem Partner sind, haben ihre Kontaktanzeigen an eigens aufgestellte Bambuszäune geheftet.

Die Kontaktanzeigen sind zur Attraktion des Parks geworden und werden von Touristen, Einheimischen und Alleinstehenden gelesen. Oft enden die Anzeigen mit Telefonnummern. Nicht selten sind es Familienangehörige, die für die Inserenten Werbung machen.

 

Etwas Abseits, unter einem schattigen Baum sitzt Herr Zhū* auf einem Hocker. Umkreist von einer Menschentraube, hält er dutzende in Plastik eingeschweißte Portraitfotografien auf seinem Schoß. Es handelt sich dabei um eine Auswahl seiner Klienten, denn Herr Zhū ist Partnervermittler. *Name geändert

Geschäftig wühlt er sich immer wieder durch dem Stapel Fotografien und zieht einen Klienten nach dem anderen heraus.

Auf dem Boden hat er weitere Kontaktanzeigen seiner Klienten ausgebreitet. Es sind vor allem Menschen mittleren Alters, die sich hier präsentieren; und sie kommen aus dem ganzen Land.

Herr Zhū sieht sehr schlecht und kann nur Umrisse erkennen. Trotzdem scheint er eine Gabe zu haben für Suchende passende Inserate auszuwählen. Bei manchen Vorschlägen wird aber auch schon mal laut losgelacht.

Herr Zhū ist Stolz auf die Größe seiner Kartei. Nach eigenen Aussagen vertrauen ihm 17.000 Menschen ihre Anzeigen an. Als Beweis dafür holt er eine abgenutzte Reisetasche hervor, aus der er akribisch geführte Listenbücher seiner Klienten zieht.

Herr Zhū sieht es als seine Lebensaufgabe an Menschen aus ganz China zu verkuppeln. Dafür kommt er bereits seit Jahren fast täglich in den Peoples Park. Wie hoch seine Vermittlungsgebühr ist, wollte er mir jedoch nicht verraten.