Willi ist in den letzten Zügen des zweiten Weltkrieges als Jüngstes von drei Kindern in der niederbayerischen Stadt Griessbach zur Welt gekommen. Kurz nach Kriegsende ist die Familie dann nach Hamburg gezogen, wo Willi bis heute lebt.

Willi inmitten seiner Familie. Seine Verwandten sind bis auf die älteste Schwester in den letzten Jahren gestorben. Er und seine Geschwister sind kinderlos geblieben.

Zu seiner Schwester hat er ein enges Verhältnis. Beide telefonieren beinahe täglich und tauschen sich über ihren Alltag aus; was es zum Mittag gab, wie das Wetter ist und welche körperlichen Leiden sie im Moment besonders beschäftigen.

Will ist Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben und hatte mit Frauen nur vereinzelte kurze Liebschaften. Willi sagt von sich, dass er nicht auf der Suche ist und wohl als Junggeselle von der Erde gehen wird.

Kurz vor dem Einschlafen hört er jeden Abend um 22:00 Uhr die Nachrichten. Sein kleines Kofferradio ist ihm dabei in den letzten Jahrzehnten ein treuer Begleiter gewesen.

Willi bewohnt eine Zwei-Zimmer-Wohnung, die sich im 10. Stock der Grindel Hochhaussiedlung in Hamburg-Eimsbüttel befindet. “Morgens Sonne, Abends Sonne. Was will man mehr.”

Mit seinem kleinen Fernglas blickt er immer wieder in die Ferne und beobachtet dann z.B. die Arbeiten auf Baustellen. Im Sommer, wenn es Partys auf den Nachbardächern gibt, schaut er gerne nach, was es auf den Tischen zu essen gibt.

Nach seiner Ausbildung zum Lampeninstallateur hat Willi 40 Jahre lang für die Hausverwaltung der Grindel-Hochhäuser gearbeitet. Als Rentner lebt er heute inmitten seiner alten Arbeitsstädte.

Für sein Mittagessen geht Willi jeden Tag in die Kantine des Eimsbütteler Bürgerbüros. Für das Abendessen nimmt er sich dann ein zweites Gericht mit nach Hause. Wenn das Wetter gut ist, fährt er mit dem Bus auch schon mal an den Hamburger Hafen und schaut sich die Schiffe an.

Inmitten des Kalten-Krieges hat Willi als Jugendlicher Angst vor Bomben gehabt. Er wünschte sie dann immer, dass die Atomschläge in der Nacht kommen würden, wenn er schläft. Angst vor Bomben hat Willi heute keine mehr, doch der Tod soll ihn gefälligst im Schlaf ereilen. Das soll aber noch möglichst lange dauern, denn im Moment ist Willi glücklich mit seinem Leben.